Das Projekt in Kürze

Geflüchtete, die sich in ihrem Heimatland in einer Hochschulausbildung befanden, stehen vor grossen Hürden, wenn sie ihr Studium in der Schweiz fortsetzen möchten. In der Überzeugung, dass die Chancengerechtigkeit beim Zugang zur Hochschulbildung auch für Geflüchtete gegeben sein muss, lancierte der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) 2016 das Projekt Perspektiven-Studium. Der Fokus von Perspektiven Studium liegt auf der Förderung und Unterstützung studentischen Engagements, Information, Vernetzung sowie Sensibilisierung und politischer Arbeit. 

Förderung und Unterstützung studentischen Engagements

In unabhängigen Projekten an Schweizer Hochschulen engagieren sich Studierende für studentische Geflüchtete. Studieninteressierte Geflüchtete haben die Möglichkeit als Gasthörende Vorlesungen zu besuchen, das Schweizer Bildungssystem kennenzulernen und ihre Zulassungschancen einzuschätzen. Perspektiven-Studium unterstützt die lokalen Projekte mit Schulungen und Beratungen. 

Information

Auf der Webseite von Perspektiven – Studium wird ein Toolkit zur Verfügung gestellt. Es dient der Ausgestaltung von Hochschulprojekten für Geflüchtete. Die Webseite bietet zudem ein umfassendes Informationsportal zum Hochschulzugang in der Schweiz. Die Informationen richten sich an Geflüchtete, die studieren möchten und an alle Personen, die sie auf diesem Weg begleiten. 

Vernetzung

Perspektiven – Studium fördert die Vernetzung der verschiedenen Hochschulprojekte untereinander mittels nationalen Schulungen und Austauschtreffen sowie auch deren Vernetzung mit Akteuren aus dem Bildungs- und Migrationsbereich. 

Sensibilisierung- und politische Arbeit

Perspektiven-Studium sensibilisiert Fachpersonen des Bildungs- und Integrationsbereichs sowie der Schweizer Gesellschaft für das Potential von Geflüchteten.

Mit diesen Massnahmen möchte der VSS langfristig zu einer nachhaltigen Integration von studentischen Geflüchteten – gemäss ihren Ressourcen und Fähigkeiten – beitragen. Der Zugang zu einer tertiären Ausbildung muss allen gleichberechtigt offenstehen. 

Hintergrund

Ausgangslage

Schweizer Hochschulen sind für studentische Geflüchtete, trotz vorhandener Qualifikationen, nur schwer zugänglich, sei es um ein Studium aufzunehmen oder ein durch die Flucht unterbrochenes Studium fortzuführen. Gründe sind einerseits die hohen Zulassungshürden der Hochschulen

  • Sprachniveau
  • fehlende / nicht anerkannte Dokumente und Diplome
  • ungenügende Anerkennung der Bildungsvorkenntnisse
  • Finanzierung
  • etc.

 

Hinzu kommt, dass im Rahmen des Integrationsprozesses der Bildungsweg (auf Tertiärniveau) für qualifizierte Geflüchtete grundsätzlich nicht vorgesehen ist. Viel mehr wird eine schnelle, oftmals disqualifizierende Arbeitsmarktintegration angestrebt.

Damit sich qualifizierte Geflüchtete mit ihrem Potential und ihren Kompetenzen selbstbestimmt und eigenverantwortlich am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in der Schweiz beteiligen können, ist es jedoch unerlässlich, dass ihnen der Bildungsweg auf Tertiärstufe offensteht. Hochschulinstitutionen sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern v.a. auch Orte des sozialen Austauschs, der gesellschaftlichen Gestaltung, der Mitbestimmung und Partizipation.

Die Hochschulinstitutionen nehmen ihre Handlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gegenüber qualifizierten Geflüchteten bis anhin zu wenig oder gar nicht wahr und werden somit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in diesem Bereich nicht gerecht. 

 

Entwicklungen

Seit 2015 sind an Schweizer Hochschulen diverse studentische Projekte und Initiativen entstanden, in denen sich Studierende ehrenamtlich für den Zugang zur Tertiärbildung für studentische Geflüchtete engagieren. Im Rahmen von Mentoringprogrammen und Schnuppersemestern bieten die Projekte den studentischen Geflüchteten die Möglichkeit als Gasthörerende Vorlesungen zu besuchen, vermitteln Informationen zum Schweizer Bildungssystem und leisten Unterstützung beim Zulassungsprozess. Durch den Zugang zu verschiedenen universitären Angeboten sowie den Kontakt und Austausch zwischen Studierenden und studentischen Geflüchteten ermöglichen die Projekte Teilhabe und Mitgestaltung und fördern den sozialen und interkulturellen Kompetenzerwerb. 

An insgesamt 20 Hochschulen bestehen heute Initiativen, rund 600 studentische Geflüchtete profitierten bislang von den Angeboten und ungefähr 550 Studierende engagierten sich freiwillig, um die Hochschulen für studieninteressierte Geflüchtete zu öffnen.